US-Killerkommando tötet Kinder

Westliche Truppen werden beschuldigt, zehn afghanische Zivilisten – darunter neun Kinder – exekutiert zu haben. Ein US-Killerkommando hat bei einem nächtlichen Überfall im Dorf Ghazi Khan afghanische Kinder gefesselt und erschossen. Westliche Truppen werden beschuldigt, zehn afghanische Zivilisten – darunter neun Kinder – exekutiert zu haben. Von Jerome Starkey, Kabul
TIMES ONLINE, 31.12.09

US-geführte Truppen wurden gestern beschuldigt, bei einem nächtlichen Überfall unschuldige Kinder aus ihren Betten geholt und erschossen zu haben; dabei kamen zehn Menschen ums Leben.

Ermittler der afghanischen Regierung teilten mit, dabei seien auch acht Schulkinder getötet worden, die bis auf eins alle zur gleichen Familie gehört hätten. Ortsansässige sagten aus, einigen der Opfern habe man Handfesseln angelegt, bevor sie ermordet wurden.

Westliche Militärquellen behaupten, die Toten hätten zu einer afghanischen Terrorzelle gehört, die für das Anlegen von Improvised Explosive Devices / IEDs (von improvisierten Sprengfallen) verantwortlich sei und den Tod zahlloser Soldaten und Zivilisten verursacht habe.

„Das war eine gemeinsame Operation gegen eine IED-Zelle, über die afghanische und amerikanische Dienststellen schon seit einiger Zeit Informationen gesammelt haben,“ sagte ein höherer NATO-Offizieller. Er gab aber zu, dass „es strittig ist, was dabei tatsächlich geschah“.
Die Nachricht von den getöteten Zivilisten führte in Kabul und Dschalalabad zu Protestdemonstrationen, bei denen sogar zehnjährige Kinder „Tod den USA“ riefen und den sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan forderten.

Als am Montag die ersten Berichte über das Massaker durchsickerten, schickte Präsident Karzai ein Ermittlungsteam in den Distrikt Narang der im Osten Afghanistans gelegenen Provinz Kunar.

„Das Team fand heraus, dass Sonntagnacht im Dorf Ghazi Khan, das im Distrikt Narang in der östlichen Provinz Kunar liegt, eine Einheit internationaler Truppen aus einem Flugzeug stieg und zehn Menschen aus drei Häusern holte. Acht davon waren Schulkinder, welche die sechste, die neunte und die zehnte Klasse besuchten. Ein Kind war zu Besuch, die anderen gehörten alle zur gleichen Familie. Alle zehn wurden erschossen,“ heißt es in einer Erklärung auf der Website des Präsidenten Karzai. (s. dazu thenewstribune und examiner)
Assadullah Wafa, der die Emittlungen leitete, erklärte die US-Soldaten, die von Kabul nach Kunar geflogen seinen, hätten zu einer Einheit der Special Forces (der Spezialkräfte) gehört.

„Vor drei Tagen haben gegen 1 Uhr nachts US-Soldaten in Hubschraubern Kabul verlassen und sind zwei Kilometer von dem Dorf entfernt gelandet,“ teilte er der TIMES mit. „Von den Hubschraubern bis zu den Häusern gingen die Soldaten zu Fuß; nach meinen Ermittlungen haben sie die Schüler, die auf zwei Räume verteilt waren, in einen Raum gebracht und dort das Feuer auf sie eröffnet.“ Wafa, der schon einmal Gouverneur der Provinz Helmand war, hat den Präsidenten Karzai gestern über die Ergebnisse seiner Untersuchung unterrichtet. „Ich habe auch mit dem Leiter ihrer Schule gesprochen,“ sagte er. „Sie können unmöglich zu Al-Qaida gehört haben. Es waren Zivilisten und unschuldige Kinder. Ich verurteile diesen Angriff.“
In einem Telefoninterview, das gestern Abend stattfand, sagte der Schulleiter Rahman Jan Ehsas, die Opfer hätten in drei verschiedenen Räumen geschlafen, als die Soldaten ankamen.

„Sieben Schüler befanden sich in einem Raum,“ erklärte er. „Ein Schüler und ein Gast waren in einem Zimmer für Gäste, und der Bauer nächtigte mit seiner Frau in einem anderen Gebäude. Zuerst erschossen die ausländischen Soldaten die beiden im Gästezimmer, dann legten sie den sieben Schülern in dem anderen Raum Handfesseln an und töteten sie ebenfalls. Als der Bauer Abdul Khaliq die Schüsse hörte, kam er aus dem Haus. Als ihn die Soldaten sahen, erschossen sie ihn ebenfalls. Nur seine Frau, die nicht heraus gekommen war, überlebte.“
Der Dorfälteste Jan Mohammed erzählte, in dem einen Raum seien drei Jungen getötet worden und den anderen fünf habe man Handfesseln angelegt, bevor auch sie erschossen wurden. „Ich habe ihre mit Blut besudelten Schulbücher gesehen,“ sagte er.

Die Untersuchung ergab, dass acht der Opfer 11 bis 17 Jahre alt waren. Der Gast sei der 12-jährige Hirtenjunge Samar Gul gewesen, sagte der Schulleiter. (In den beiden verlinkten Artikeln wird das Alter der Schüler mit 12 bis 14 angegeben.) Sechs der Schüler hätten die Mittelschule und zwei die Grundschule besucht. Alle Schüler seien Neffen von ihm gewesen. In Dschalalabad zündeten Protestierende eine US-Fahne und ein Bildnis des Präsidenten Obama an; sie riefen „Tod für Obama“ und „Tod den fremden Truppen“.

In Kabul hielten Protestierende Fotos von den getöteten Kindern und Plakate hoch, auf denen zu lesen war „Fremde Truppen raus aus Afghanistan“ und „Hört auf, uns umzubringen“. Der zehnjährige Junge Hekmatullah, ein Protestierender, sagte: „Wir haben es satt, dass uns die Amerikaner bombardieren.“ Samiullah Miakhel, 60, der ebenfalls protestierte, fügte hinzu: „Die Amerikaner töten die ganze Zeit nur Zivilisten.“

Die der NATO unterstehende International Security Assistance Force / ISAF erklärte, es lägen keine verlässlichen Beweise“ für die Behauptungen Wafas vor, „dass bei der von afghanischen und Koalitions-Truppen gemeinsam durchgeführten Operation unbewaffnete Zivilisten zu Schaden kamen. Als der gemeinsame Sturmtrupp ins Dorf eindrang, wurde er aus mehreren Gebäuden beschossen; als er das Feuer erwiderte, wurden neun Personen getötet.“
Gestern wurden bei einem Anschlag im östlichen Afghanistan auch acht Amerikaner getötet. Nach Angaben der ISAF-Truppe der NATO handelt es sich bei den Getöteten nicht um uniformierte Soldaten. Aus afghanischen Quellen verlautete, dass bei einem Selbstmordattentat in einem Lager in der Provinz Khost acht Zivilisten umkamen. Die US-Botschaft in Kabul teilte mit: „Bei einem Anschlag im Bereich des Regional Command East / RC East wurden acht Amerikaner getötet.“ Zur Militärregion RC East in Ost-Afghanistan gehören 14 Provinzen.

(Luftpost Kaiserslautern hat den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen in Klammern und Hervorhebungen versehen.)

Quelle

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